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Stand Kanton Bern 2020-10-15

Aktueller Stand

Die folgenden Feststellungen können aus den öffentlich verfügbaren Zahlen und Informationen der erwähnten Quellen abgeleitet werden und stehen den Entscheidungsträgern damit seit Wochen zur Verfügung.
Seit dem 10.5.2020 verhindern keine wirksamen Massnahmen mehr das exponentielle Wachstum der Anzahl Aktiver (aktuell erkrankter Infizierter).
Seit dem 15.5.2020 ist die effektive Reproduktionszahl (Re) wieder angestiegen. Dies hat den Rückgang der 1. Welle verlangsamt.
Seit dem 26.5.2020 liegt die effektive Reproduktionszahl (Re) meist über 1 (Tendenz über 1 bleibend). Dies hat zu meist exponentiellem Wachstum der Anzahl Aktiver geführt. Die 2. Welle hat dadurch noch während der abklingenden 1. Welle begonnen.
Die Anzahl Aktiver liegt aktuell (je nach Modell, Parametrisierung und ohne Dunkelziffer von gemäss Studien vielleicht 80 bis 90%) bei ca. 1922, also 68x höher als zum sichtbaren Beginn der 2. Welle (28 am 19.6.2020), Tendenz exponentiell steigend. Per 8.10.2020 wurde der Höchststand der 1. Welle übertroffen, was sämtliche erreichten Resultate der Epidemiebekämpfung zunichte machte. Während der 2. Welle (offiziell ab 1.6.2020) traten bisher 1.8x so viele Fälle auf wie während der 1. Welle.
Das angewandte Contact Tracing wirkt nicht als Massnahme zur Verhinderung eines exponentiellen Anstiegs der Anzahl Aktiver.
Die besonders gefährdeten Personen werden in ihrer Lebenssituation behindert auf Grund der relativ hohen Ansteckungswahrscheinlichkeit, bedingt durch die hohe Anzahl Aktiver im Verhältnis zur Bevölkerungszahl, die hohe effektive Reproduktionszahl (Re) sowie deren örtlich nur sehr punktuellem Schutz. Besonders gefährdete Personen haben eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit im Erkrankungsfall einen schweren Krankheitsverlauf oder Folgeschäden zu erleiden. Bei steigender Ansteckungswahrscheinlichkeit steigt deren Risiko deshalb auf signifikant höhere Werte (als das der übrigen Bevölkerung) und gefährdet diese unnötig.
Die aktuell ergriffenen Massnahmen verhindern nachweislich weder die exponentielle Zunahme der Anzahl Aktiver noch das steigende Ansteckungsrisiko der besonders gefährdeten Personen in ihrem Alltag.
Die Anzahl Inaktiver (genesener Infizierter) mit gesundheitlichen Folgeschäden wird offenbar nicht sichtbar veröffentlicht, ist mutmasslich jedoch wie bei anderen schwereren Viruserkrankungen signifikant.

Prognose

Die per 10.5.2020 gelockerten Massnahmen, die Sommerferien, die Herbstferien, die kühlere Witterung und die kommende jährliche Grippesaison sind Faktoren, die ohne wirksame Massnahmen eine weiterhin hohe effektive Reproduktionszahl (Re) und damit eine weiterhin hohe und steigende Anzahl Aktiver erwarten lassen.
Bei sehr unwahrscheinlichem, sofortigem Rückgang der Anzahl Aktiver analog der 1. Welle würde es ab heute bestenfalls 27 Wochen dauern, bis das Ende der Epidemie erreicht wäre (Kurvenabflachung vernachlässigt).
Am 19.8.2020 wurde die Anzahl Aktiver (250) vom 17.3.2020 erreicht, als der Schweizer Soft-Shutdown erfolgte.
Am 16.9.2020 wurde die tägliche Anzahl positiv getesteter Personen (54) vom 17.3.2020 erreicht, als der Schweizer Soft-Shutdown erfolgte.
Am 8.10.2020 wurde die Anzahl Aktiver des Höhepunktes der 1. Welle (1075) vom 4.4.2020 übertroffen.
Die 2. Ableitung der Funktion der Anzahl Aktiver ("Zunahme" der neuen Fälle) steigt. Dies ist der kritische Faktor, um wirksame Massnahmen zu ergreifen und aktiv zu führen. Er zeigt die Wirkung der bisher ergriffenen Massnahmen kurzfristig. Re liegt seit dem 26.5.2020 über 1. Seit diesem Zeitpunkt müssen Massnahmen wirken, um die Epidemie zu kontrollieren. Somit wirken seit über 4 Monaten keine Massnahmen genügend.
Die 1. Ableitung der Funktion der Anzahl Aktiver (neue Fälle) steigt exponentiell. Dies ist der kritische Faktor, um Sofortmassnahmen zu ergreifen. Er zeigt die Wirkung der bisher ergriffenen Massnahmen mittelfristig. Sofortmassnahmen müssen nur ergriffen werden, wenn geplante, wirksame Massnahmen nicht oder zu spät ergriffen wurden. Sie sind auch ein Mittel, um Führungsfehler spät und stark reaktiv zu korrigieren.
Die Funktion der Anzahl Aktiver steigt exponentiell. Diese Zahl lässt sich nicht direkt kontrollieren und zeigt das aktuelle Ausmass der Epidemie und der Wirkung der bisher ergriffenen Massnahmen langfristig.
Eine weitergehende Prognose ist aktuell mangels ergriffener Massnahmen mit statistisch nachgewiesener Wirksamkeit sowie der fehlenden Möglichkeit eines Vergleiches mit den tieferen Zahlen der 1. Welle nicht möglich.
Die Anordnung weiterer, wirksamer Massnahmen sowie Sofortmassnahmen ist stark anzunehmen.

Visualisierung einer vereinfachten, qualitativen Modellrechnung

Die Entwicklung der Zahlen folgt im wesentlichen der Prognose der Modellrechnung vom 16.9.2020 und lässt weiterhin eine qualitativ genügende Prognose zu.

Modellierung: David Reist

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